Freitag, 9. August 2013

Niemals geht man so ganz…

Ein Nachtrag:

Heute ist der 05.07.2013, der letzte Tag in meinem Projekt in Tixán und Llallanag. Ab morgen gibt es anderthalb Monate Ferien für die Kinder.

Es ist also vorbei, mein „entwicklungspolitischer Freiwilligendienst des Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit“, oder mit anderen Worten gesagt, mein momentanes Leben.
Mein jetziges Leben und das der letzten 11 Monate war einzigartig, berührend, wundervoll, voller Schmerz und Freude. Ich durfte neue Freunde finden, hatte das Glück, unverfälscht in den Alltag einiger ecuadorianischen Familien einzutauchen, um mit ihnen das Glück und die Freude eines Austauschs von Wissen und Gebräuchen zu teilen.  Ich durfte eine mir bis zur Ankunft fremde Sprache lernen (spanisch), ohne dabei auch nur einmal in ein Buch geschaut zu haben und ich habe mich selber kennengelernt in einer Form, wie es im beheizten Wohnzimmer in Köln-Mülheim nicht möglich gewesen wäre.

Ich habe ein Land kennengelernt, das von Einzigartigkeit und gleichzeitig von so großer Vielfalt gesegnet ist. Einzigartig, weil ich morgens die Fensterläden in Riobamba aufklappe und vor mir ein Vulkan Lava und Asche spuckt, links davon, der größte Vulkan der Welt steht und mit seiner Größe und Gletschern alles andere wortwörtlich in den Schatten stellt und unter mir auf der Straße der Müllwagen entlangfährt, mit dieser einen Melodie, die sicher mein Leben lang nicht vergessen werde. Die große Vielfalt hingegen fand ich in den Menschen. Ich habe materiell Arme und Reiche kennengelernt, Städter und Menschen vom Land, aus dem Norden und aus dem Süden, aus Westen und Osten. Meine Erfahrungen, die ich dabei sammeln durfte, schätze ich sehr, denn mein Leben in Riobamba, Tixán und Llallanag ist nicht DAS Ecuador, sondern es ist viel breitgefächerter. Da lebt der eine mit seinem zwei Meter großen 3D-Flachbildfernseher in dem neugebauten Hochhaus mit Privatwächter und Wäscheservice, während anderswo zwölf Personen in einem Raum mit Loch im Wellblechdach leben. Der eine hört Reggaeton, der andere Meringe oder Salsa und wieder ein Anderer kann mit all dem überhaupt nichts anfangen und schwört auf „Modern Talking“ oder „Lady Gaga“. Einige haben schon die Welt bereist oder waren sogar schon einmal in Deutschland, andere haben von „Alemania“ oder Europa noch nie etwas gehört und fragen sich hinter dem Postschalter verzweifelt, in welchem Bundesstaat der USA die beiden Orte nur liegen könnten, „ja wo ist denn Europa jetzt in den USA?“. Gute Frage!

Es ist schön, immer wieder Komplimente zu bekommen, wie gut doch das Spanisch sei, dass ich spreche, immer wieder interessierte und offene Menschen zu treffen, die alles über mich, meine Arbeit, mein Herkunftsland und mein Leben erfragen, oder in meine Schule komme und schon weitem meine Kinder im Chor „Linito, Linito“ rufen höre. Es ist nicht schön, außerhalb des Dorfs immer als Fremder und „Gringo“ (Amerikaner) angesehen und behandelt zu werden, ständig mehr zahlen zu müssen, obwohl man die Strecke mit dem Bus oder Taxi nun schon 50 Mal gefahren ist und es ist auch nicht schön, in jeder Suppe Koriander zu haben. Und herzzerreißend ist es, wenn ich meiner Klasse sage, dass ich nun gehen werde und so schnell auch nicht mehr zurück komme, woraufhin sich die Horde auf mich stürzt, mich so feste umklammert wie es geht und ein dutzend Kinderstimmen um mich herum „No se va“ (geh nicht) brüllen, kreischen oder auch flüstern. So ist mein Ecuador: Schön, nervig, herzzerreißend und emotional.

Nun, wem habe ich das alles zu verdanken, wem gebührt eine Widmung für dieses Jahr?
Sehr viele Menschen haben mich dieses Jahr begleitet, ich selber war von der Vielzahl sehr überrascht. Eine berühmte Popsängerin aus der Karibik singt in ihrem Album, das mich das Jahr über begleitet hat: „Ich wusste ja gar nicht, dass mich so viele Menschen überhaupt kennen“. Das wusste ich auch nicht, doch nun bin ich eines Besseren belehrt worden. Ich danke zuerst einmal Euch, liebe Spender und Leser, Ihr habt den Rahmen all dessen geschaffen, was ich erleben durfte. Eure Unterstützung in finanzieller, aber auch in Form von Präsens, Interesse und Botschaften aus Deutschland haben mir oft sehr geholfen, um mich eben doch nicht immer, um jene Sängerin noch einmal zu zitieren, wie „verloren im Paradies“ zu fühlen.

Daneben gilt mein Dank den Menschen in Ecuador, allen voran meinen insgesamt ja drei Gastfamilien. Sie haben mich bedingungslos aufgenommen und in ihre Obhut gestellt, mich versorgt und bekümmert, bis ich mir dann irgendwann auch einmal selber einen Tee kochen durfte und nicht meine Gastmutter aufgesprungen ist, um ihn mir ans Bett zu bringen. „Vielleicht noch ein Brot dazu, Linito“? Irgendwann wurde ich dann Teil der Familie, spielte mit den Kindern und half bei Einkäufen oder beim Töpfeschleppen. Zudem danke ich auch meinen Mitfreiwilligen, seien es meine WG-Mitbewohner, mit denen ich besonders in der ersten Jahreshilfe eine unvergessliche Zeit hatte, oder auch den anderen Freiwilligen unserer Organisation in Otavalo, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, sei es bei wundervollen Reisen oder bei vieren von ihnen auch in ihren Dörfern und Gastfamilien. Vor allem durch den Austausch mit ihnen konnte ich einiges lernen, über Einstellungen, Erfahrungen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

In einer halben Stunde bricht mein letzter Schultag an, mit Abschiedsfeier und allem Drum und Dran. Wenn es klappt, mache ich Crêpes für die Kinder. Danach geht es für mich nach Perú, wo ich meine beste Freundin nach elf Monaten das erste Mal wiedersehen werde. Am 5. August geht von Quito aus mein Rückflug nach Deutschland. Bis bald also!

Donnerstag, 16. Mai 2013

Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist…

Über das Reisen in Ecuador.

Da seit neuestem auch in Deutschland Fernbusse zwischen den größeren Städten frequentieren,  nahm ich dies zum Anlass, einmal über das Transportwesen in Ecuador zu berichten.  Aufgrund immer noch fehlender Zugverbindungen und der verhältnismäßig geringen Anzahl an privaten PKWs, das immer noch ein großes Luxusgut darstellt, ist neben dem teuren Flugzeug das einzige und populärste Reisemittel der Bus. Über den Daumen gepeilt kostet eine Stunde Busfahrt einen US-Dollar.
Keine Busfahrt gleicht der anderen und während ich mich in Deutschland in Bussen immer zu Tode gelangweilt habe, erlebe ich hier auf fast jeder Fahrt neue Kuriositäten.
Es fängt schon vor der eigentlichen Fahrt an. Trotz Fahrplan, fahren die meisten Busse 5-10 Minuten früher, oder später ab; wenn jedoch in einem Bus nicht genügend Passagiere sitzen, ist der Busfahrplan sekundär und es wird bisweilen Stunden gewartet, bis sich genügend Passagiere eingefunden haben. Auf die Frage, wann der Bus denn fahre, bekomme ich meine Lieblingsecuadorantwort: „Ya mismo“ (Jetzt gleich), was sowohl zwei Minuten, als auch zwei Stunden heißen kann.
Bei der DB kostet eine Sitzplatzreservierung extra, in Ecuador ist sie obligatorisch. Aber wehe dem, der sich auch in einem quasi lehren Bus mit 30 freien Plätzen auf einen setzt, der einer anderen Person vorbehalten ist. Da gibt es keine Ausnahmen, denn das Nümmerchen auf dem Ticket beschreibt keinen vorgeschlagenen Sitzplatz – es beschreibt bezahltes Eigentum!
Wenn sich der Bus dann erst einmal in Bewegung gesetzt hat, beginnt das Abenteuer erst richtig. Der Garant einer jeden typisch ecuadorianischen Busfahrt ist entweder laute Musik, die eine Konversation zu einem sich anbrüllen umgestaltet, oder Raubkopien wirklich sehr schlechter amerikanischer Filme, die in nicht weniger dezenter Lautstärke durch den Bus dröhnen. Diese Filme, für die sich die meisten Akteure heute vermutlich schämen und sie lieber in der Versenke sehen würden, grenzen nicht selten an Softpornografie oder blutiges Gemetzel, bei denen Zensur keine Rolle spielt. Blut, offene Wunden, herumfliegende zerfetzte Körperteile schrecken Eltern nicht ab, ihren Kindern, die natürlich ebenfalls zuschauen, die Augen zuzuhalten. Im Gegenteil: die Kleinen feiern die Blutbäder wie ich in meiner Kindheit die Sendung mit der Maus.
Die Musik hingegen charakterisiert sich zumeist durch theatralische Liebesgesänge auf Spanisch, bei denen sich das Herz am liebsten selbst an Ort und Stelle selbst zerreißen möchte.

Verlass ist auch auf die brüllenden Blauschürzler, eine darwinistisch gesehen mutierte Form der Lebensmittelhändler, die nur in einem einzigen Habitat anzutreffen sind: dem Reisebus. Sobald ein Bus an einem etwas belebteren Platz, oder an Mautstationen anhält, stürmen binnen Sekunden meist mit blauer Schürze gekleidete Verkäufer den stehenden Bus, und bringen Empanada- oder Aguaschreiend und durch den Mittelgang hetzend ihre Waren an den hungernden Reisenden. Der Rekord waren einmal neun Verkäufer, die fast schon einen kleinen mobilen Supermarkt ausmachten, wobei dabei die Herausforderung am Konsumenten lag, aus dem geschrienen Neologismus „Empa-Agu-cho-tra“ vierer verschiedener Stimmen, die Wörter Empanada, Agua, Pinchos und Extra (Teigtasche, Wasser, Grillspieße und eine Tageszeitung namens “Extra“) herauszufiltern und sich dann binnen Sekunden zu entscheiden, was man davon eigentlich braucht. Denn so schnell wie der brüllenden Blauschürzler auftaucht, verschwindet er zumeist auch wieder.
Manche Verkäufer jedoch sind der Meinung, die Reisenden sollten unbedingt einer detaillierten Beschreibung ihres Produkts unterzogen werden, die sich mitunter bis zu einer dreiviertel Stunde hin ausdehnen kann. So wird einem Wunderpulver aus Asien heilende Wirkung in allen Bereichen des Körpers zugesprochen, ja sogar Prostata- und Brustkrebs ließen sich mit dem in Melonensaft aufgelösten Pulver bekämpfen. Zur Untermalung der Dringlichkeit, mit dem das Produkt erworben werden soll, breitet der Verkäufer ein 1x2Meter großes Plakat aus, auf dem triefende Wunden, mit Eiter gefüllte Beulen oder pechschwarze, offene Beine zu sehen sind. Da scheint es für viele eine durchaus lohnende Alternative, einen Dollar für dieses Tütchen mit Wunderpulver zu zahlen, statt an den aufgezeigten Krankheiten zu leiden. Angst und Verunsicherung sind eben auch heute noch der beste Weg, Menschen zu manipulieren und sie zu willenlosen und schutzsuchenden Wesen zu degradieren.
Ich sitze in der ersten Reihe des Busses, der von Riobamba ins Dorf fährt. Wir rasen an einer Kirche vorbei und im Spiegelbild der Frontscheibe sehe ich, wie sich der komplette Bus wie ferngesteuert gleichzeitig bekreuzigt. Die Szene erinnert mich an „I Robot“, ein Film, bei dem Roboter gleichzeitig angeschaltet werden und sich absolut synchron bewegen. Ein warnendes Hupen und eine Vollbremsung lassen mich aufschrecken, doch wir fahren weiter; noch einmal gut gegangen. Direkt vor mir prangt ein Schild, auf dem mich ein sich scheinbar im Delirium befindender Engel mit Heiligenschein anschaut. Daneben steht in schwarzen Lettern: „Wenn dies meine letzte Reise sein sollte, oh Herr, so lasse sie mich zu Dir führen.“ Na Halleluja!

Religion und Busfahrten stehen sich näher, als man vermuten mag. Neben solchen Sprüchen betet so gut wie jeder Busfahrer, bevor er sich hinters Steuer setzt, wobei bei der Fahrweise der meisten Busfahrer zusätzlicher göttlicher Schutz bestimmt nicht schaden kann. In Deutschland würde ich vom klassischen Mercedes-, oder BMW-Fahrer sprechen, hier, vom Busfahrer. Drängeln, Hupen, Aufleuchten, in uneinsichtige Kurven oder bei dichtestem Nebel überholen – all das alltäglich und unbegreiflich. Täglich sieht man im Fernsehen Bus- und Autounfälle, bei denen dutzende Menschen sterben. Am Straßenrand reiht sich an manchen Stellen ein weißes Kreuz nach dem anderen, bereits etliche Male bin ich an schweren Unfällen mit zum Teil umgekippten Bussen vorbeigefahren, die Menschen erzählen sich von schrecklichen Unglücken und trotzdem verhält sich kaum einer rational oder zumindest gemäßigter, denn das Phänomen vom rücksichtslosen Fahrer trifft nicht nur auf Busse, sondern auf quasi alle Verkehrsteilnehmer zu.

Eine kleine Anekdote am Rande: Mit meinem Gastvater und der ganzen Familie im Schlepptau fuhren wir in unserem Minibus von Tixán nach Alausí. Dieser Streckenabschnitt, sowie die ganze Region rund um Tixán und Alausí zählt mit zu den gefährlichsten Streckenabschnitten der Panamericana, da sehr kurvig und zumeist vernebelt. Auf eine Kurve zufahrend, erzählt uns mein Gastvater voller Elan die Geschichte von einem Getränkekleintransporter, der erst vorgestern hier, in der wohl gefährlichsten Kurve der Gegend, umgekippt sei und 4 Menschen, darunter angeblich auch mindestens ein Kind, unter sich vergrub. Während alle einhellig ihr Bedauern aussprechen, gibt mein Gastvater Gas und überholt in exakt der von ihm eben beschriebenen uneinsichtigen Kurve zwei LKWs. Genau diese dumme, unüberlegte Sorglosigkeit sorgt für den unschönen Wegschmuck in Form von Altären und Kreuzen.

Und doch, trotz aller vermeintlicher Gefahren, ein Blick aus dem Fenster lässt einen all dies schnell vergessen. Der landschaftliche Fassettenreichtum besticht immer wieder durch riesige, schneebedeckte Vulkane, Nebelwälder, kilometerlange schnurgrade Küstenstraßen oder unendlich tiefe Schluchten, in die sich Wasserfälle stürzen. Langweilig wird es jedenfalls nie.

Die Panamericana

Typischer Reisebus


Bananenplantagen säumen die Strassen an der Küste


Die Strasse der Vulkane, hier, der Vulkan Cotopaxi

Hinten links die Ansätze des Chimborazos

Nebelwälder auf dem Weg zur Küste

Und endlich angekommen, kilometerlange schnurgrade Strassen

Bergpanorama

Auf der Panamericana, zwischen Tixán und Alausí

Mittwoch, 15. Mai 2013

Kulinarisches Ecuador


Döner, Currywürste, Vollkornbrötchen, Bärlauch-Ziegenkäse, Apfeltaschen, Mozartkugeln und Apfelschorle fliegen durch den Raum. Es ist wunderschön. Dort eine Salami, hier Büffelmozzarella und frische Alpenmilch und ein bisschen zerkochtes Trockenfleisch mit Mote; Moment, Trockenfleisch, Mote? Ich bin verwirrt, wache auf und ein feiner, jedoch beißender Geruch, der sofort Übelkeit in mir hervorruft strömt durch das offen stehende Fenster im Bus. Ich blicke heraus und sehe, dass wir direkt neben einer der typische Straßenverkaufsstände gehalten haben, die diese ecuadorianischen Speisen verkaufen.
Mit exakt diesem Mittagessen hatte ich in meinem ersten Monat in Ecuador schon mein Vergnügen gehabt, die Folge war Brechdurchfall und Fieberwahn.

Nomnomnomnom

Das Potential, aus all den vorhandenen Lebensmitteln in Ecuador etwas Großartiges zu kreieren ist enorm! Besonders der unüberblickbare Reichtum an frischem Obst und Gemüse auf den Märkten verschlägt mir noch immer die Sprache. Früchte, die selbst der routinierteste „ZDF-Traumschiff“ Zuschauer noch nicht gesehen hat und das zu einem Preis, bei dem jeder deutsche Konsument Tränen in die Augen bekommt.

Eine Mango für zwischendurch!

„30 Mangos, 30 Orangen für einen Dollar, 40 Mandarinen ein Dollar oder acht Avocados, ebenfalls ein US-Döllarchen“ tönt es lautstark aus einem auf dem Dach eines Lieferwagens befestigten Megaphons.
Erdbeeren, Kirschen, Orangen und etliche andere Früchte gibt es ganzjährig. Aus all diesen Früchten werden die exotischsten Kreationen an frischen Säften hergestellt, wie etwa Kaktusfrucht mit Baumtomate, die man an jeder Ecke zwischen 25 Cent bis 1,50 Dollar bekommt.

Katalogreif


Mercado San Alfonso - Riobamba
Nein, das Kind war nicht zu verkaufen!

Doch die größte Vielfalt bieten Bananen. Ecuador ist eine Bananenrepublik – nicht um sonst stammt der Ausdruck hierher. Es gibt riesige grüne Bananen (verdes), um Empanadas oder Suppe zu machen, große überreif aussehende Kochbananen (maduros), die man brät oder Kocht und einen süßlichen Geschmack haben, normale Bananen, die wir auch aus Deutschland kennen, Babybananen (Oritos), von denen man schon 20 Stück für 50Cent bekommt oder dicke, rote Bananen (rojos), die meiner Meinung nach den intensivsten Geschmack aller süßen Sorten haben.


Oritos!

Doch wovon ernähren sich die Ecuadorianer hauptsächlich, gibt es eine Nationalspeise? Nun, natürlich ist dies differenziert zu Betrachten und unterscheidet sich von der einen zur anderen Familie, und doch darf, egal ob zu Hause oder in Restaurants niemals eine Koriandersuppe fehlen. Nicht, dass es wirklich eine Koriandersuppe gäbe, doch ich pflege sie so zu bezeichnen, denn in ALLEN Suppen, die man serviert bekommt, ist Koriander, das jeglichen anderen Geschmack gnadenlos eliminiert. So schmeckt eine Linsensuppe genau wie eine Kartoffel-, Gemüse- oder Maissuppe. Und ich habe bis jetzt kaum einmal eine Hand voll Freiwilliger getroffen, die das mögen; ich gehöre nicht dazu.

Aufstehn', Frühstück!
Ein Strassenverkäufer mit Pinchos (Fleischspiessen). Für 60ct. ziemlich lecker!
Ecuadorianer (und ich mitlerweile auch) sind Eissüchtig - hier kaufen sich meine Schüler eine Chocobanana
In vielen Familien auf dem Land wird mit Feuer gekocht. Nebeneffekt: Es wärmt!

Neben den Almuerzos (Mittagessen, meist für 1,50$ mit Saft und Suppe), gibt es an jeder Ecke einen Schnellimbiss, was mein Mülheimer Herz natürlich aufblühen lässt. Dort werden Pommes, Burger oder Hot-Dogs verkauft, ziemlich westlicher Fraß also; aber lecker! Leichte Irritation kam auf, als unser Stamm-Burgerladen in der Hauptstadt Quito plötzlich geschlossen hatte, und ein riesiges Schild des Gesundheitsamts auf dem Rollladen klebte. Auweia, wenn selbst in Ecuador ein Gesundheitsamt etwas schließen muss…
Mein Mitbewohner Mario fand auf Anhieb die passende Pose:

Huuuuuaaaaahhh
  Ein letzter Schocker für unsere vorurteilsgeprägten Mitmenschen in Deutschland die denken, die Menschen hier ernährten sich nur von Insekten oder rohem, selbstgefangenen Fleisch: Eine kulinarische Spezialität, verbreitet in der ganzen Sierra, ist gegrilltes Meerschweinchen. Das unvergessliche Bild, wie im mit Blut und Wasser gefüllten Spülbecken vor meine Gastschwester drei tote und gehäutete Meerschweinchen treiben, und sie sie Wäscht und aufschneidet, wobei alle Gedärme herausquellen und glitschigen Viecher gleichzeitig in dieser Brühe wie Bojen treiben, unaufhörlich an den Beckenrand knallend, ja, dieses Bild wird mich noch lange begleiten. Aber man muss sagen, lecker sind sie, und zudem sehr Protein- und Fettreich.

Die Tiere leben oft mit in der Küche - so ist der Weg in den Kochtopf kürzer.

Man erahnt das Schicksal
Anleitung, how to prepare pork:

Schritt eins, Schwein fesseln. 

Schritt zwei, töten und im Bach waschen. 

Schritt drei, wenns' nix anderes gibt, mit einem Bunsenbrenner braten...

... während die hungrige Meute schon wartet.

Zuletzt gibt es auch regionale Unterschiede. So gehen die Menschen im Norden des Landes, während des deutschen Herbst, auf Gazzo-jagt, was nichts anderes heißt, als große fliegende Käfer nachts zu fangen, um sie später gebraten zu genießen. Meine Gastfamilie, die wir in der Mitte des Landes leben, runzelte darüber nur die Stirn, genauso wie darüber, dass im Süden des Landes Esel und Hunde gegessen werden. Wie auf der ganzen Welt, so unterscheiden sich selbst innerhalb Ecuadors die Geschmäcker. So rufe ich zu Toleranz und Neugierde auf, auch, wenn ich mich an Hühnerfüße, Schafsköpfe oder Schweinehaut in der Suppe noch immer nicht so wirklich gewöhnt habe.

Lecker Hühnerfuss - immerhin wird alles verwertet und nichts weggeschmissen!

Lino und andere Freiwillige in Action:

Mitfreiwillige Judith in meiner Familie...

... unser Vorhaben: Gewürzspekulatiusparfait zu Weihnachten.

Und es hat funktioniert!
Ein deutsches Abendessen mit Marlens Gastfamilie. 

Kartoffelhacken mit Marlens Familie...
... eine anstrengende Arbeit, besonders, wenn man ständig den Kuhfladen der Kuh "Gringa" (im Hintergrund) ausweichen muss. Mich erwischte es zwei Mal!

Einige Freiwillige imitieren instinktiv Tiere, wenn sie bestimmte Lebensmittel vor sich sehen. 

Montag, 8. April 2013

Trauerzug durch Tixán


Ich schlief und wurde trotz Ohrstöpsel von einem schrecklich dröhnenden, zunächst undefinierbaren Lärm, der von der Straße schallte, geweckt. Ich schrak auf, noch unentschlossen, ob ich mich aus meinem Bett in Richtung Straße bewegen sollte oder nicht. Doch als der Lärm sich in meinem Kopf zu Musik formte, siegte meine Neugierde über meinen schlaftrunkenen Körper und ich stürmte förmlich zur Tür, wo sich mein Gastvater bereits eingefunden hatte. Ich sah raus und erblickte insgesamt 4-5 Autos. Mein Blick schweifte auf das Erste, von dem die Musik ausging, und ich sah ein halbes Dutzend in schwarz gehüllte Personen, die auf der Ladefläche des Pick-Ups zu beiden Seiten eine mit weißen Kordeln befestigte Holzkiste säumten. Es war ein Sarg. Das darauffolgende Auto hatte auf seiner Ladefläche ein riesiges Blumengesteck, sodass mehr Blumen als Auto zu vernehmen war und schlussendlich tuckerten 2 oder 3 schwarze Autos, bis auf den letzten Platz mit traurig dreinschauenden Gesichtern, die zum Fenster herausstarrten, gefüllt, hinter dem Blumengesteck und der lauten Musik her.
Aus fast allen Häusern, an denen der Trauerzug vorbeizog, kamen Menschen auf die Straße gelaufen, steuerten auf den mit dem Sarg beladenen Pick-Up zu und bekundeten ihr Beileid den in Schwarz gehüllten Angehörigen, die dankend die Hände der Herbeistürmenden ergriffen.
Das auffälligste war jedoch die laut dröhnende Musik. Es war nicht, dass sie sich etwa von der sonst typischen Musik unterschied, weder in Rhythmus noch Lautstärke oder Tonfall, und trotzdem war sie präsent, klar, rein, anders! Warum auch immer nahm sie mich in ihren Bann und es erschien mir, als trüge diese Musik die ganze Zeremonie, ja, als begleite sie die dahingeschiedene Seele.

“Es ist jemand gestorben” sagte mein Gastvater, “eine Frau aus Tixán”. Ich nickte bestätigend und wir schlossen die undichte Holztür hinter uns, und obwohl der Trauerzug bereits ein gutes Stück vorangeschritten, und schon länger im Nebel verschwunden war, schien diese eindringliche Musik sich in unseren Räumen festgebissen zu haben und verlor nichts an ihrer Präsenz.
Ich dachte, im Hintergrund von der singenden Frauenstimme begleitet, über das Leben und den Tod nach und machte mich schließlich auf in die Küche, um etwas Honigbrot und Kokosjoghurt zu essen.

Ya tenemos Presidente, tenemos a Rafael!


Bevorstehende Präsidentschaftswahlen in Ecuador. Leider habe ich mich mit diesem Thema zu wenig beschäftigt, um wirklich ausführlich und detailliert darüber berichten zu können, doch ein Ereignis möchte ich Euch nicht vorenthalten: Es war der 30. Januar 2013, ein gewöhnlicher  Mittwoch im Dorf. Die Ankündigung, dass Rafael Correa, der amtierende Präsident Ecuadors nach Alausí, einem Städtchen ca. 20 Minuten südlich von Tixán, kommt, um dort offiziell einen neuen Bahnhof zu eröffnen, und nebenbei reichlich Wahlwerbung zu veranstalten, hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Um nach Alausí zu kommen, fährt man auf der Panamericana an meinem Dorf Tixán vorbei, und so musste es schließlich auch El Presidente tun. Meinem Gastvater, einem scheinbar feurigen Correa Anhänger, war die Vorfreude auf das Ereignis den ganzen Tag schon anzumerken, es war, als freue sich ein Kind auf das Christkind, damit es endlich Geschenke auspacken konnte.

Rasant verbreitete sich am Abend plötzlich die Meldung, dass der Präsident in wenigen Minuten Tixán passieren werde. Das ganze Dorf war in Aufruhr und fuhr oder rannte den Berg hinauf, in Richtung der Panamericana.
Als wir mit unserem Kleinbus, mit dem mein Gastvater jeden Tag dutzende Kinder zur Schule nach Alausí fährt, in einem affenzahn durch Tixán gerast sind und etliche Menschen, die dem Spektakel beiwohnen wollten, von der Straße aufgesammelt hatten, kamen wir schließlich oben an, wo bereits geschätzte 50 Leute rufend und Fahnen schwingend am Straßenrand standen. Dann ging alles ganz schnell: Zuerst einige Polizeimotorräder, die die Straße räumten, dann ein oder zwei andere Fahrzeuge und plötzlich lief die Menschenmenge, wie von einem Magneten angezogen, auf einen Punkt zu. Ich näherte mich diesem Punkt und ehe ich mich versah, stand ich direkt neben dem Präsidenten von Ecuador, der doch tatsächlich ausgestiegen war und sich direkt unter die euphorische Menschenmenge gemischt hatte. Geschupse, Gedränge, und dazwischen der Sicherheitsdienst, der vergeblich versuchte, die Menschen wenigstens ein bisschen auf Distanz zu halten. Ich verstand diese ganze Situation nicht, musste lachen und wurde einfach vom Strom der Menschen mitgerissen.

Die Panamericana vor Tixán
 


Dass ich aus der Menschenmasse herausstach, war kein Wunder, da mir die meisten in meinem Dorf nur bis zur Brust oder den Schultern gehen; doch das daraus resultierte, dass mich der Präsident zu sich winkte, um mit mir zu reden, verwirrte mich dann doch ein wenig. Nach einem kurzen Smalltalk und einigen Flüchen, die ich meiner Kamera zuwarf, weil sie fast eine Minute lang kein Foto von uns machen wollte und  ich den ganzen Laden damit vermochte alleine aufzuhalten, weil ich und der Präsident tatsächlich 45 Sekunden lang dort lächelnd in die Linse starrten und sich nichts tat, war der ganze Spuk auch wieder vorbei. Er verabschiedete sich nach rund vier Minuten wieder in Richtung Alausí, mit dem Aufruf, die Menschen sollten ihm dorthin folgen. Und das taten sie. Eine Kolonne von 40 oder 50 Autos schlossen sich dem Präsidenten an und wir, mit meinem kurz vor dem Delirium stehenden Vater am Steuer, natürlich mit von der Partie! Dass daraus über kurz oder lang ein gigantischer Stau auf der einspurigen Panamericana entstehen musste, war abzusehen und bewahrheitete sich schnell. Doch durch etliche Schleichwege und scheinbar nicht enden wollende Umwege schafften wir es dann doch irgendwie, vorbei an den wartenden Autos, ins Zentrum von Alausí. Es war die Hölle los, die Stadt schien förmlich platzen zu wollen, es gab kein Vor oder Zurück mehr. Die Halle, in der sich Rafael Correa eingefunden hatte, war, sofern man nicht schon vor dem Eingang zerquetscht wurde, für jedermann zugänglich und die Menschen sangen, feierten und lauschten begeistert den Worten ihres Halbgottes.

Und dann hats doch geklappt




Auch mein Ghetto-Bruder ist in giftgrün gekleidet

Auch der Almödi schwenkt die Fahne

Ein kleiner Linktipp: Mirja, eine Freiwillige aus Otavalo, hat sich etwas ausführlicher mit dem Thema Präsidentschaftswahlen auseinandergesetzt. Wer Interesse hat: http://sinneswandeln.weebly.com/1/post/2013/02/ya-tenemos-presidente.html


Zwischenseminar und eine neue Mitbewohnerin


Mitte Januar stand das weltwärts Zwischenseminar an, eines von insgesamt sechs verpflichtenden Seminaren, die den Freiwilligendienst zu unterstützen vermögen. Es ging nach El Chaupi, einem kleinen Ort südlich der Hauptstadt Quito und ca. drei Stunden nördlich von Riobamba. Vier Tage verbrachten alle YAP-Freiwilligen aus Ecuador zwischen Gruppenspielen, bei denen Mitfreiwillige gerne einmal (un-)freiwillig zu einer Hand voll Lamaköttel als Snack für zwischendurch greifen (Namen werden an dieser Stelle einmal nicht erwähnt), und konstruktivem Austausch über Unterrichtsmethoden oder das Leben im Dorf. Ich hielt einen Vortrag über Ecuadors Ressourcen (konzentriert auf Gold, Fischerei und Erdöl), dessen Handout ich hier unten dranhängen werde.

Das "NESTLE-Lama" - ein bisschen genmalipuliert


Professionelle Tesalia Werbung






Wir schicken ein bisschen Sonne ins triste Deutschland :)




Drei Tage später sollte unsere Riobamba-WG neuen Zuwachs bekommen. Anke, eine Hamburgerin, wird von nun an ein halbes Jahr zu uns in die WG stoßen, sodass wir wieder zu viert sind; Willkommen!


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Handout zu Rohstoffen in Ecuador
·         Gold
-          Fakten
´        Durch hohen Goldpreis lohnt sich der Goldabbau schon bei 1g Gold pro 1t Gestein
´        99,9999% des gebrochenen Steins bleibt als verseuchter Abfall zurück
´        Für einen Ehering aus Gold benötigt man 20t vergiftetes Gestein
-          Produktion
1.       Mithilfe von Zyanid:
§  Gestein wird aus Stollen gebrochen, dann Luftgelagert und Wochenlang mit Zyanid besprenkelt, wodurch sich das Gold im Gestein löst
§  Folge: Das Zyanid wird durch den Wind kilometerweit in der Landschaft verteilt und kontaminiert Grundwasser, Natur und Mensch             (Zyanid verhindert den Sauerstofftransport im Körper u. ist in kleinsten Mengen tödlich)
§  Jährlich werden weltweit nur für die Goldgewinnung 182.000t Zyanid verbraucht
2.       Mithilfe von Quecksilber
§  Gewinnung von Gold aus Flüssen, wobei das Quecksilber direkt in die Flüsse fließt (alleine in den Amazonas jährlich ca. 100t)
§  Giftige Dämpfe werden ungefiltert in die Luft geblasen, sodass die Umwelt unmittelbar belastet wird
§  Quecksilber schädigt das zentrale Nervensystem
-          Kinderarbeit
´        Alleine in Ecuador arbeiten 2.000 Kinder nur in Goldminen
´        Gefahren:
è Atmen giftige Dämpfe ein (Zyanid + Quecksilber)
è Bei Sprengungen im Stollen stürzen diese zuweilen ein, während sich die Arbeiter und Kinder eben in diesen befinden
-          Hilfe
´        Die Organisation „Rettet den Regenwald“ hat es mithilfe der lokalen Organisation „Decoin“ im Intag geschafft, 1000ha Bergwald vor der Eröffnung  neuer Goldminen zu bewahren und gab den erworbenen Besitzt von Land an die ansässigen Dorfgemeinschaften weiter
-          Lösungsansätze
´        Statt des konventionellen Gold zu Fair-Traid Gold greifen
´        In den tresoren der Weltbanken lagern etwa 100.000t Gold ungenutzt, wodurch der weltweite Goldbedarf über Jahrzehnte gedeckt werden könnte


·         Schrimp-, Krabben- und Garnelenproduktion (15,2% des ecuadorianischen Exports)
-          Durch das Taura-Syndrom-Virus nahe Guayaquil entstanden 200 Millionen US$ schaden, sodass die Produzenten in den Norden Richtung Esmeraldas auswichen
è Bis dato letzter, von Krabbenfischern unberührter Ort

-          Produktion
´        In küstennahen Aguafarmen, meist auf ürsrpnglichen Reisfeldern oder Mangrovenwäldern
´        Für 1t Garnelen benötigt man 4t Fischmehl
è Für 1t Fischmehl benötigt man 5t Fisch
Ø  1t Garnelen = 20t Fisch
´        Einsatz von Unmengen von Antibiotika und anderen Chemikalien, da Farmer als Folge des Virus extrem vorsichtig geworden sind
´        Täglich müssen 15-20% des Wassers in den Aguafarmen erneuert werden
´        Nach 5-10 Jahren wird der Standort aufgrund zu starker Verschmutzung gewechselt
-          Folgen
´        Überfischung wg. Fischmehlproduktion
è Einheimische, traditionelle Fischerei stark betroffen
è Biologisches Gleichgewicht der Meere gestört (auch durch den Fang von Garnelenlarven mit engmaschigen Netzten, bei denen Milliarden von Larven sterben
´        Erhöhung der Reispreise an der Küste + Abholzung von unberührten Mangrovenwäldern
´        Extreme lokale Verschmutzung von Boden, Grundwasser und Meer, sodass nach 5-10 Jahren regelrechte Mondlandschaften zurückgelassen werden
è Erkrankung der lokalen Bevölkerung durch kontaminiertes Grundwasser
è Der traditionelle Fischfang wird weiter erschwert
´        Großer Verbrauch von Trinkwasser, das eh schon Mangelware an der Küste ist
è Grundwasserspiegel sinkt dramatisch


·         Öl (53% des ecuadorianischen Exports)
-          Yasuní-Nationalpark
´        beherbergt 1/5 des gesamten Erdölvorkommens Ecuadors
´        1ha besitzt Biodiversität von Mexico, USA und Kanada zusammen
-          Yasuní-ITT-Initiative
´        Eine NGO mit dem Ziel, den Yasuní-Nationalpark zu schützen
´        2010 bot die Regierung Correa an, den Nationalpark unberührt zu lassen
è Bedingung: Staatengemeinschaft soll die Hälfte der dadurch verlorenen Einnahmen ersetzen (7,2 Milliarden US$)
´        Bis heute nur ca. 200 Millionen US$ von staatlichen und privaten Geldgebern
è Correa begann Ende 2012 mit der Vergabe von 21 neuen Förderlizenzen
Ø  Medienkampagne: „Erdöl schenkt Amazonien leben!“
´        52% des ecuadorianischen Erdöls sind bereits an China versprochen, als “Dankeschön“ für die großzügige Kreditvergabe
-          Folgen:
´        Bisher unkontaktierte Völker werden gestört und bedrängt
´        Große Umweltverschmutzung
´        Unberührte Gebiete werden durch große Straßen erschlossen
è Tier- und Pflanzenwelt werden zurückgedrängt